Das Altersvorsorgedepot einfach erklärt
Von Simon Nagelkrämer · Zuletzt geprüft 23.10.2026
Kurz gesagt: Ab 1. Januar 2027 kannst du für deine Rente an der Börse sparen, und der Staat legt Geld dazu. Zahlst du 150 € im Monat ein, gibt der Staat 45 € im Monat dazu. Für jedes Kind gibt es extra. An das Geld kommst du frühestens mit 65.
Das Wichtigste in 30 Sekunden
- Start: 1. Januar 2027
- Geld vom Staat: bis zu 540 € im Jahr, plus bis zu 300 € je Kind
- Volles Geld vom Staat schon mit 150 € im Monat, die volle Kinderzulage sogar schon mit 25 €
- Dein Geld steckt zum Beispiel in einem : Anteile an hunderten Firmen weltweit
- Auszahlung frühestens mit 65
Bis zu 45 € im Monat vom Staat
Das sind 540 € im Jahr, wenn du 150 € im Monat einzahlst. Mit Kindern kommt noch mehr dazu.
Dein Beitrag pro Monat. Darüber gibt es keinen Zuschuss mehr. Mindestens 10 € im Monat musst du einzahlen.
| Du zahlst im Monat | Staat legt drauf | Im Jahr vom Staat |
|---|---|---|
| 10 € | +5 € (50 %) | 60 € |
| 25 € | +12,50 € (50 %) | 150 € |
| 50 € | +20 € (40 %) | 240 € |
| 100 € | +32,50 € (33 %) | 390 € |
| 150 € | +45 € (30 %) | 540 € |
Was ist das Altersvorsorgedepot?
Ein ist so etwas wie ein Konto. Nur liegen darin keine Euro, sondern Anteile an Firmen oder Fonds. Das Altersvorsorgedepot ist ein solches Depot mit drei Extras:
- Der Staat zahlt jedes Jahr Geld dazu.
- Solange du sparst, zahlst du keine Steuern auf Gewinne.
- Das Geld ist für die Rente reserviert. Ausgezahlt wird erst ab 65.
Es ist der Nachfolger der Riester-Rente. Neue Riester-Verträge gibt es ab 2027 nicht mehr. Wer schon einen hat, darf ihn behalten oder umziehen. Mehr dazu: Riester-Wechsel.
Der große Unterschied zu Riester: Riester-Verträge mussten am Ende mindestens alle Einzahlungen zurückgeben. Deshalb lag viel Geld in fast zinslosen Anlagen, und die Kosten fraßen den Rest. Im Altersvorsorgedepot darf dein Geld komplett in Aktien-Fonds stecken. Das schwankt mehr, bringt auf lange Sicht aber meist deutlich mehr.
Die Regeln stehen im Altersvorsorgereformgesetz. Der Bundestag hat es am 27. März 2026 beschlossen, der Bundesrat am 8. Mai 2026 zugestimmt.
Wie viel gibt der Staat dazu?
| Was | Wie viel | Was du dafür tun musst |
|---|---|---|
| 50 Cent je Euro bis 360 €, danach 25 Cent bis 1.800 €. Höchstens 540 € im Jahr | mindestens 10 € im Monat einzahlen | |
| 1 € je eingezahltem Euro, höchstens 300 € je Kind | für das Kind gibt es Kindergeld | |
| Bonus für junge Leute | einmalig 200 € | unter 25 am Jahresanfang |
| Steuervorteil | manchmal etwas extra über die Steuererklärung | passiert automatisch |
Am meisten lohnt es sich bei kleinen Beträgen. Beispiel: Du zahlst 25 € im Monat ein und hast ein Kind. Das sind 300 € im Jahr von dir. Der Staat gibt 150 € Grundzulage und 300 € Kinderzulage dazu, zusammen 450 €. Das ist mehr, als du selbst einzahlst. Mehr Beispiele: Förderung und Zulagen.
Wer kann mitmachen?
Fast alle, die arbeiten:
- Angestellte, Azubis, Beamte
- neu: Selbstständige
- Eltern in den ersten drei Jahren nach der Geburt
- Arbeitslose, wenn sie vorher gearbeitet haben
Verheiratete ohne eigenes Einkommen können über den Partner mitmachen. Sie brauchen einen eigenen Vertrag und zahlen mindestens 10 € im Monat ein. Dafür gibt es bis zu 175 € im Jahr. Mehr dazu: Wer ist förderberechtigt?
Nicht dabei sind zum Beispiel Minijobber, die sich von der Rentenversicherung haben befreien lassen, und Rentner.
Welche Varianten gibt es?
- Standarddepot: die einfache Variante. Der Anbieter wählt die Fonds für dich. Die Kosten sind auf höchstens 1 % im Jahr begrenzt. Gut für alle, die sich nicht kümmern wollen.
- Freies Depot: Du wählst selbst, zum Beispiel einen günstigen ETF auf die ganze Welt. Erlaubt ist nur, was auf einer gesetzlichen Liste steht, der .
- Mit Garantie: Am Ende sind mindestens 80 % oder 100 % deiner Einzahlungen da. Mehr Sicherheit, aber meist deutlich weniger Ertrag.
Welche Variante zu dir passt: Standarddepot oder freies Depot?
Gibt es auch ein staatliches Depot?
Vielleicht, aber nicht so bald. Das Gesetz erlaubt der Bundesregierung, per Verordnung ein Standarddepot von einem öffentlichen Träger anbieten zu lassen. Stand Oktober 2026: Das Finanzministerium nennt keinen Starttermin, ein Träger ist offenbar noch nicht ausgewählt, die Verordnung fehlt. Es muss dieselben Regeln erfüllen wie die Standarddepots der Banken. Mehr zum staatlichen Standarddepot.
Warum die Kosten so wichtig sind
Das Geld vom Staat ist bei jedem Anbieter gleich. Unterschiede gibt es nur bei den Kosten und bei der Auswahl. Und kleine Unterschiede bei den Kosten machen über 37 Jahre viel aus:
- 0,2 % Kosten pro Jahr290.369 €
- 1,0 % Kosten pro Jahr241.843 €
- 1,5 % Kosten pro Jahr216.184 €
Rund 74.000 € weniger als mit 0,2 %
Ab 30 Jahren 150 € im Monat, 6 % Rendite vor Kosten, inkl. Zulagen. Modellrechnung, keine Prognose.
Mehrere Online-Anbieter haben Depots ohne Gebühren angekündigt. Banken und Versicherungen mit Beratung dürften teurer sein.
Wie wird das Geld versteuert?
Solange du sparst: gar nicht. Dafür wird später jede Auszahlung mit deinem persönlichen versteuert. Für die meisten lohnt sich das, weil sie im Alter weniger Steuern zahlen als im Job. Garantiert ist das nicht. Mehr dazu: Steuern beim Altersvorsorgedepot.
Wie kommt das Geld raus?
- heuteAnsparenDu zahlst ein, der Staat legt jedes Jahr drauf. Gewinne bleiben steuerfrei.
- 65–70Auszahlung startetFrühestens mit 65, spätestens mit 70.
- bis 85+Rente oder RatenMonatliches Geld, versteuert mit deinem Steuersatz.
- Los geht es frühestens mit 65 (oder wenn deine gesetzliche Rente beginnt), spätestens mit 70.
- Du wählst: eine Rente bis ans Lebensende oder einen , der mindestens bis 85 läuft.
- Zum Start darfst du dir bis zu 30 % auf einmal auszahlen lassen.
- Vorher ist das Geld gebunden. Wer flexibel bleiben will, sollte nicht alles ins Altersvorsorgedepot stecken.
Kann ich den Anbieter wechseln?
Ja, so oft du willst. In den ersten fünf Jahren dürfen beide Anbieter je bis zu 150 € verlangen. Danach ist der Wechsel beim alten Anbieter kostenlos.
Ist das besser als ein normaler ETF-Sparplan?
Meistens ja, wegen des Geldes vom Staat. Ein normaler Sparplan ist aber flexibler. Den Vergleich mit Rechenbeispiel findest du hier: Altersvorsorgedepot oder ETF-Sparplan?
Für wen lohnt es sich und für wen nicht?
Eher ja:
- Eltern
- kleine und mittlere Einkommen
- junge Leute, weil das Geld lange wachsen kann
- Selbstständige ohne andere Vorsorge
Eher vorsichtig:
- wenn du das Geld vor 65 brauchen könntest
- wenn du im Alter sehr hohe Steuern erwartest und wenig vom Staat bekommst
Häufige Fragen
Muss ich das Geld vom Staat beantragen? Das übernimmt meist dein Anbieter. Beim Abschluss gibst du einmal die Erlaubnis. Das Geld kommt dann jedes Jahr rückwirkend fürs Vorjahr in dein Depot.
Kann ich mehr als 1.800 € im Jahr einzahlen? Ja, bis 6.840 € im Jahr. Geld vom Staat gibt es aber nur auf die ersten 1.800 €.
Kann ich Riester und Altersvorsorgedepot parallel haben? Ja. Mit dem neuen Vertrag gilt dann aber auch für den alten Riester-Vertrag die neue Förderung. Mehr dazu: Riester-Wechsel.
Gibt es ein staatliches Depot? Es ist im Gesetz vorgesehen, aber noch nicht umgesetzt. Stand Oktober 2026 nennt das Finanzministerium keinen Starttermin, ein Träger ist offenbar noch nicht ausgewählt. Die Depots von Banken und Brokern starten trotzdem am 1. Januar 2027.
Was ist mit der Frühstart-Rente für Kinder? Der Bundestag hat sie am 16. Oktober 2026 beschlossen: 10 € im Monat vom Staat für Kinder von 6 bis 18, angelegt in einem eigenen Altersvorsorgedepot fürs Kind. Alle Details: Frühstart-Rente.
Stand: 23.10.2026. Information, keine Anlage- oder Steuerberatung. Rechtsgrundlage: Altersvorsorgereformgesetz, BGBl. I 2026 Nr. 156.